zunächst wünschen wir Euch allen ein erfolgreiches, gesundes neues Jahr. Hoffen wir, dass Präsident Trump 2026 endlich den Ukraine-Krieg beenden kann. Dazu wäre es hilfreich, wenn die Nato und die EU ihn endlich unterstützen würden, statt ihm ständig in die Parade zu fahren. Oder?
Was gibt's Neues in der Jukebox? Für drei Titel der letzten Runde läuteten die Kirchenglocken: Neil Sedaka - "Bad Blood", Donna Summer - "I feel Love" und dito Jerry Rix - "Bad, Bad Leroy Brown". Im Gegenzug finden sich mit Charles Aznavour, Dalida & Alain Delon und der Steve Miller Band drei Neuplatzierte in den Top Ten. Und wir haben einen Spitzenreiter, mit dem eigentlich niemand gerechnet hat. Mehr davon aber später.
Was gibt's auf den Rängen 11 und 12? Heute erscheint Platz 11 doppelt: The Miracles - "Love Machine" und ebenfalls Jerry Rix - "Bad, Bad Leroy Brown".
Dann also wie gewohnt auf zu unseren sechs Neuvorstellungen, welche nur darauf warten, die anderen Titel in der Jukebox zu verdrängen. Starten wir mit der Laufenden Nummer 11. Dort wartet schon die britische Popgruppe "Fox" mit der etwas exaltierten Frontfrau Noosha Fox, die aus Australien stammte. Noosha wählte für ihre Bühnenauftritte ein Outfit der Zwanziger und Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die siebenköpfige Band wurde vom britischen Produzenten Kenny Young aus der Taufe gehoben. Ihre Einstandssingle "Only you can" von 1974 ging in den Plattenläden Europas weg wie warme Semmeln: In England sprang gleich zu Anfang ein Platz Drei heraus. Ähnlich lief es in Deutschland und der Schweiz: hier gab es den zweiten Rang, bei unseren Alphornbläsern gar die Pole Position. Sicher trug auch der näselnde Gesang der Noosha Fox zum Erfolg der Kurzrille bei. Für die Musikkritiker überraschend konnte der Nachfolger "Imagine me, imagine you" (1975) die hohen Erwartungen durchaus halten: Hierzulande kam der Titel mit dem siebten Platz klar in die Top Ten, allerdings schwächelte die Platte leider mit Rang 15 auf der britischen Insel etwas. Macht nix, das Publikum mochte auch diesen Song. Die nun folgenden Kurzrillen "He's got Magic" und "Strange Ships" (beide 1975) verloren sich etwas in ihren technischen Spielereien und fielen beim Publikum eher durch. Nur "S-S-S-Single Bed" aus dem Jahr 1976 glänzte in England nochmal mit Platz 4. Nach dem Album "Blue Hotel" (1977) verließ die Frontfrau die Gruppe, um sich ihrer Solo-Karriere zu widmen. Und tatsächlich erreichte ihre Single "Georgina Bailey" in heimatlichen Gefilden immerhin noch die Top40, mehr jedoch auch nicht. Und das war's dann auch für die Gruppe und die Sängerin. Übrigens erinnerte die Stimme von Frau Fox nicht irgendwie entfernt an die von Kate Bush? Heute erfreuen wir Euch wieder mit einem Liedermacher aus den Siebzigern: Dazu legen wir mit dem Lied "Ich zahle keine Steuern mehr" aus dem Album "Mein starkes Erlebnis" von 1975 die einzige Kurzrille des Lothar Föllmer auf, der durch sein Werk "So gegen 22.00 Uhr" (1973) bundesweit bekannt wurde. Stimmlich auf der Welle von Ikone Reinhard Mey, gräbt er mit seiner Gesellschaftskritik im Allgemeinen relativ tief, hasst es im Gegensatz zu anderen Kollegen, an der Oberfläche zu kratzen. So beschrieb er beispielsweise im Titelsong von "So gegen 22.00 Uhr" in autobiografischen Zügen seinen Werdegang durch die verrauchten Säle diverser Kneipen, ohne für seine Songs je honoriert zu werden. Diesen Stil des verkannten Außenseiters pflegte der Barde ebenso im Lied "Ich sitze wie immer in meiner Kneipe" desgleichen Albums, welches der WDR in Köln immer wieder gern spielte. Leider erschien von Föllmer zwei Jahre später, also im Jahr 1975, nur noch die Langrille "Mein starkes Erlebnis", inklusive des kritischen Songs "Ich zahle keine Steuern mehr". Das Lied kündet von den vielen Tricks unserer Wirtschaftskapitäne, durch umtriebige Aktionen ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Und das alles mit fragwürdigen Aktionen. Wer dem Titel zuhört, bekommt das Gefühl, als wisse der Autor sehr genau, wie es geht und orte sich selbst als Teil des Systems. Damit erinnert Föllmer sehr an den verstorbenen Liedermacher Ulrik Remy, der niemals mit erhobenem Zeigefinger zu Werke ging. Warum dann kein Vinyl von Herrn Föllmer mehr folgte, bleibt unklar. Fest steht, der Liedermacher steht bis heute auf der Bühne und trat vor kurzem in einer Kabarett-Nummer mit der ostfriesischen Ulknudel Otto Waalkes auf. Lothar, danke für Deine gute Arbeit!
Fällt irgendwo der Begriff "Soul Coaxing", denkt mancher eher an ein Aufputschmittel oder ein modernes Erfrischungsgetränk. Indes steht dieser Name für etwas gänzlich anderes: Im Deutschen bedeutet "Soul Coaxing" soviel wie "die Seele beschwatzen" und ist der Titel eines bekannten Instrumentals aus dem Bereich des "Easy Listening". In der Version des französischen Orchesterchefs Raymond Lefèvre von 1968 eroberte diese sanfte Melodie die Welt. In den US-Billboard-Charts reichte es zwar nur für Position 37, verblieb allerdings an die zwölf Wochen in den Hitlisten. Und in speziellen "Easy Listening"-Charts schaffte es die "beschwatzte Seele" immerhin auf Rang 4. Ähnlich lief es für die berühmte Kurzrille auf der britischen Insel: Dort landete das gefühlvolle Instrumental auf dem 46. Platz, wurde jedoch von einer Radiostation zur nächsten durchgereicht und machte auf diese Weise die Runde. Geschrieben wurde diese eindrucksvolle Melodie jedoch nicht von Monsieur Lefèvre, sondern vielmehr vom französischen Popstar Michel Polnareff, welcher durch seinen Welthit "La Poupée qui fait non" einst zum Idol wurde. Sein Original von "Soal Coaxing" heißt "Ame Caline", von Polnareff in französischer Sprache interpretiert. Dazu heißt es bei "hitparade.ch": "Ein Schlüsselwerk des großen, von der Musikfachwelt unverständlicherweise seit Jahren mit schnöder Missachtung abgestraften Künstlers. … An "Ame Caline" überzeugt insbesondere das wuchtige Piano-Intro sowie die geradezu als "dramatisch" zu bezeichnende Orchesterunterstützung." Wer jedoch mit der Stimme von Michel Polnareff seine Probleme hat, dem sei eben die gigantische Orchester-Fassung von Lefèvre ans Herz gelegt. Gibt es bei uns mit der Laufenden Nummer 13. Auf die 13 folgt die 14. Und mit dieser Startnummer schicken wir erneut Superstar David Bowie ins Rennen, ab 2016 für viele Jahre durchgängig bei uns platziert. Als dessen kreativste Phase galten die Siebziger, in denen keine Single-Platte stilistisch so war wie ihr Vorgänger. Und exakt aus der Mitte dieser Dekade stammt der etwas merkwürdige und gewöhnungsbedürftige Track "Fame" - ein Gemeinschaftswerk von Bowie selbst, Ex-Beatle John Lennon und Carlos Alomar, führendes Bandmitglied bei Bowie und auch dessen kreativer Partner. Der Song im Stil des Funk Rock aus der Langrille "Young Americans" erwies sich in Nordamerika als absoluter Chartbreaker: Sowohl in den Staaten als auch in Kanada eroberte dieses Stück jeweils die führende Position, während sich "Fame" in Europa wesentlich schwerer tat: Denn in Bowie's Heimat reichte es nur für Platz 17. In gewisser Weise aber verständlich, denn die kleine Platte schien wie für den US-Markt produziert. Denn, wie wir ja wissen, versuchten diverse britische Musiker gegen Mitte der Siebziger, auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Dies gelang natürlich den Ex-Beatles, Elton John, Eric Clapton, sogar auch Glamrock-Truppen wie The Sweet, den Bay City Rollers und Paper Lace aus Nottingham. Hingegen scheiterten Interpreten wie Slade, Cliff Richard und die Hollies. Zurück zu Bowie: Anfang der Neunziger legte er diesen Song mit noch etwas mehr Pepp als "Fame '90" noch einmal auf. Diese schaffte es im Vereinigten Königreich immerhin noch auf Rang 28. Diesem funky Song folgten mit "Golden Years" (1976) ein echter Disco-Titel mit Niveau, der Artrock-Stück "TVC 15" (1976) sowie den "Berlin-Tracks": "Sound and Vision", "Heroes" (beide 1977) und "Boys keep swinging" (1978).
Mit der Nummer 15 wird es Zeit für unseren zweiten Titel in deutscher Sprache. Und der stammt ausgerechnet vom großen französischen Chansonnier Gilbert Bécaud, wegen seines Temperaments auf der Bühne auch als "Monsieur 100.000 Volt" bekannt. Dessen Markenzeichen: blauer Anzug und gepunktete Krawatte. Am Anfang unserer Jukebox feierte Bécaud mit einer Dame namens "Nathalie" große Erfolge. Dann haben wir ihn sehr lange vermisst. Doch jetzt tritt er mit der deutschen Version seines schönen Liedes "Au Revoir" (1963) bei uns auf. Die Kurzrille "Lebewohl", erst im Jahr 1975 erschienen, besticht mit leichter Melancholie und beschreibt den Abschied zweier Freunde, deren Wege sich nun trennen. Während die Strophen eher still daherkommen, gipfelt das schöne Lied im eindrucksvollen Refrain. Im gut arrangierten Chanson fällt das erstaunlich gute, nahezu schriftsichere Deutsch des Herrn Bécaud positiv ins Auge. Keiner schafft es so wie er, in drei Minuten so viele Sehnsüchte im Herzen eines Menschen zu wecken. Wobei Bécaud, anders als sein Kollege Charles Aznavour, eigentlich weniger auf reine Balladen setzte wie beispielsweise "She", sondern vielmehr dem Chanson treu blieb. Wie auch immer, "Lebewohl" zählt wohl zu den bemerkenswertesten deutschen Titeln, die wir je im Angebot hatten. Zum Abschluss für heute legen wir für Euch noch einen richtig schönen, schnörkellosen Rocker auf den Plattenteller. Von der US-amerikanischen Rock-Band "Grand Funk Railroad", welche 1973/74 ihren Namen auf "Grand Funk" verkürzten, hört Ihr den rhythmisch-starken Song "Some Kind of Wonderful", der eigentlich von John Ellison stammt, eigens 1967 für dessen Band "Soul Brothers Six" komponiert. Die vorliegende Version der US-Rocker aus Michigan besticht durch ihren eindrucksvollen Bass und der klaren Songstruktur. Und die Fans der Truppe belohnten die Kurzrille vom Dezember 1974 mit einem dritten Platz in den US-Billboard Charts ("Hot 100"). Damit folgte die Combo dem Erfolgsrezept von "The Loco-Motion", das ihnen - ebenfalls ein Cover - im Februar 1974 in ihrer Heimat sogar den Spitzenplatz bescherte. Zwar hatten sich damals die Kritiker auf den Titel eingeschossen und ihn als "lauter, aber nicht besser" als das Original der Little Eva bezeichnet, jedoch ging diese Fassung in den Plattenshops weg wie nichts. Und das zählt eben im Endeffekt. Leider konnten die Single-Nachfolger diesen Standard nicht mehr halten und versanken im musikalischen Nirwana. Ganz anders die Langrillen der Gruppe: Vor allem das "Live-Album" von 1970 haut kräftig rein, katapultierte die Band in den USA zur Rock-Ikone. Bis heute gilt für viele Fans "Grand Funk Railroad" als DIE Live-Band schlechthin. Im Jahr 1976 trennte sich der Sänger und Gitarrist Mark Farner von seinen Kollegen Don Brewer und Mel Schacher, um sein Glück als Solist zu suchen. Jedoch fanden die Band-Mitglieder gegen 1981 als auch im Jahr 1997 wieder für einige Projekte zusammen.